Freimaurerei: Was sie ist, was sie nicht ist

                                        
                                                                   
                                                                                                                                                                     
Hans-Hermann Höhmann
Großloge  A.F.u.A.M. von  Deutschland
Bonn,  o. J.

Freimaurerei:  Was sie ist, was  sie nicht ist
Acht Feststellungen zum Weltbund der Brüderlichkeit
 
Öffnung zur Gesellschaft
Freimaurerei ist trotz aller Bemühungen um Information und Aufklärung immer noch eine große Unbekannte. Ihr Bild wird von Nichtwissen, Irrtümern und Vorurteilen verzerrt. Dafür tragen zu einem großen Teil die Freimaurer selbst die Verantwortung. Denn sie haben zu lange über sich und ihren Bund geschwiegen. Heute treten die Freimaurer an die Öffentlichkeit, informieren ausführlich über sich und suchen das Gespräch mit ihrer Umwelt.
Freimaurerei ist...
Freimaurerei ist ein Bruderbund. Über alle weltanschaulichen, politischen, na­tionalen und sozialen Grenzen hinweg sollen Menschen miteinander verbunden werden, die sich nach Herkunft und Interessenlage sonst nicht begegnen würden. Die Freimau­rerlogen folgen damit ihrer speziellen Tradi­tion, Trennendes zu überwinden, Gegensätze abzubauen, Verständigung und Verständnis zu fördern sowie der Gefahr der Isolierung des Einzelmenschen in der Arbeits- und Konsum­welt entgegenzuwirken. Durch engagierte Mit­menschlichkeit will der Freimaurerbund nicht nur der Lebensgestaltung seiner Mitglieder dienen, sondern auch ein Modell für Partner­schaft in der Gesellschaft außerhalb der Lo­gen bieten.
 
Freimaurerei ist ein Männerbund. Die Gründe hierfür sind, dass seine Formen und Symbole aus der männerbündischen Tra­dition der Freimaurerei hervorgegangen sind, dass das Männerbundprinzip die Homogenität der Logengruppe fördert und dass Männerbünde in einer demokratischen Gesellschaft, in der sich auch Frauen nach eigenen Vorstellungen zusammenschließen können, keinerlei diskrimi­nierenden Charakter haben. Freimaurerei ist heute allerdings bewusst ein "offener" Männer­bund, der Partnerin und Familie weitgehend in
das Gemeinschaftsleben der Loge einbezieht.
 
Freimaurerei ist ein ethischer Bund. Der Tradition der europäischen Aufklä­rung folgend, bekennen sich die Freimaurer zu moralischen Werten und Überzeugungen. Der Freimaurerbund entwickelt zwar kein ei­genes ethisches System und versucht schon gar nicht, ethische Überzeugungen in politi­sche Programme zu übertragen. Dennoch gibt die Freimaurerei mit ihren alten Wertpositionen Menschlichkeit, Brüderlichkeit, Freiheit, Ge­rechtigkeit und Toleranz Orientierungen und Maßstäbe für das Denken und Handeln ihrer Mitglieder vor. Im Vergleichen von Realität und Wertmaßstab, im gemeinsamen Nach­denken und in kritischer Selbstaufklärung sol­len Verhaltensweisen und Umgangsstile ein­geübt werden, die ein Umsetzen ethischer Überzeugungen in die Lebenspraxis des ein­zelnen Freimaurers bewirken.
 
Freimaurerei ist ein symbolischer Werkbund. Zur Festigung der zwischen­menschlichen Bindungen, zur gefühlsmäßi­gen Vertiefung ethischer Überzeugungen und als Anleitung zur Selbsterkenntnis bedienen sich die Logen alter, aus der Tradition der europäischen Dombauhütten stammender Symbole und symbolhafter Handlungen. Die "Entzauberung der Welt" durch den techni­schen Fortschritt und die von ihm geprägte Unrast des zivilisatorischen Daseins bedarf der Ergänzung durch einen Raum der Besin­nung, der Kontemplation, der Stille. Freimaurer verschließen sich nicht den modernen Le­bens- und Arbeitsformen, zu deren Ver­menschlichung sie beitragen wollen. Sie se­hen aber in der tätigen Daseinsbewältigung nur eine Seite menschlicher Existenz, die der Ergänzung bedarf. Im freimaurerischen Brauchtum wird diese Ergänzung vermittelt.

Freimaurerei ist nicht...
Freimaurerei ist keine politische Be­wegung und kein Interessenverband.
Logen und Großlogen formulieren keine Pro­gramme und nehmen nicht Teil an parteipoli­tischen Auseinandersetzungen. Dennoch hat die Freimaurerei eine politische Wirkung: Als "Gemeinschaft toleranter Ungleichgesinnter" leistet sie einen Beitrag zur Überwindung der schädlichen Auswirkungen politischer Kon­flikte zwischen Menschen, politischen Grup­pen und Nationen, gemäß ihres Bekenntnis­ses zur Toleranz hilft sie, die politische Kultur zu verbessern, und durch das Erörtern wich­tiger Zeitfragen in den Logen trägt sie zur politischen Urteilsbildung ihrer Mitglieder bei. Auf der Grundlage persönlicher Überzeugung verantwortlich zu handeln ist dann Aufgabe des einzelnen Freimaurers.
 
 
 Freimaurerei ist keine Nebenkirche. Als diesseitsorientierter ethischer Bund ist sie
 weder Religionsgemeinschaft noch Religionsersatz. Sie entwickelt keine Theolo­gie
 und kennt keine Dogmen und Sakramente.
 Allerdings verwendet die Freimaurerei Sym­bole, die dem religiösen
 Bereich entlehnt sind, wie z.B. das Symbol des "Großen Baumeisters
 aller Welten". Dieses Symbol verkörpert je­doch keinen eigenen freimaurerischen
 Gottesbegriff, den es nicht gibt. Es ist viel­mehr ein umfassendes Symbol für den
 transzendenten Bezug des Menschen, das von jedem Freimaurer gemäß
 seiner eigenen weltanschaulich-religiösen Überzeugung ge­deutet werden kann.
   
 
 Freimaurerei ist kein Geheimbund.
 Sie bekennt sich zu Demokratie und offener Gesellschaft. Zweck, Organisation und
 Vor­stände von Logen und Großlogen sind jedem Interessenten zugänglich.
 Viele Veranstaltun­gen sind heute öffentlich, und die im Auftrag der Großloge
 herausgegebene Zeitschrift kann auch von Nichtmitgliedern bezogen werden.  
 Die den Freimaurern geübte Verschwie­genheit bezieht sich nur auf einige Einzelhei­ten
 des freimaurerischen Brauchtums und ist Symbol für den in jeder Gemeinschaft notwendigen
 Schutz des persönlichen Ver­trauens.
 Mit jeder Art von Verschwörung hat Freimaurerei nichts zu tun.
 
 (Anmerkung: Beim Einscannen wurden eine Anpassung der deutschen Rechtschreibung an den Stand von 2014 und notwendige Formatierungsänderungen vorgenommen.)